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Hundert Jahre Montessori - Pädagogik

Am 6. Januar ist es hundert Jahre her, dass Maria Montessori, die Begründerin der Montessori-Pädagogik, das erste Kinderhaus in Rom eröffnete. Anlässlich dieses Jubiläums planen Montessori-Organisationen, - Kinderhäuser und - Schulen weltweit zahlreiche Feiern und Veranstaltungen.

Maria Montessori (1870-1952), die in einer großbürgerlichen italienischen Familie aufgewachsen war, erwarb Ende des 19. Jahrhunderts als erste Frau einen Doktortitel in Medizin und arbeitete erfolgreich als Ärztin. 1901 studierte sie erneut, diesmal Anthropologie, Philosophie und Erziehungsphilosophie, und entwickelte ihre eigene pädagogische Richtung. 1907 gründete sie dann das erste Kinderhaus, die casa dei bambini, im römischen Proletarierviertel San Lorenzo und sorgte damit für eine bis heute revolutionäre Entwicklung im Erziehungs- und Bildungswesen.

Gemeinsam mit anderen Reformpädagogen setzte sich Maria Montessori für eine neue Sicht des Kindes ein. In ihren Augen waren Kinder eigenständige Wesen voller Aktivität, die sich nach einem eigenen, inneren Bauplan entwickeln, ähnlich einer Pflanze, die bereits in ihrem Samen den Bauplan für ihr Wachstum in sich trägt. Sofern Kinder in ihrer Umwelt alles vorfinden, was sie zu ihrer Entwicklung und freien Entfaltung brauchen, und nicht durch das Eingreifen der Erwachsenen darin gestört werden, könne sich die kindliche Psyche gesund entwickeln. Das Kind werde zum "Baumeister seiner selbst." Nach Maria Montessori vollziehe sich die kindliche Entwicklung nicht linear, sondern verlaufe in so genannten "sensiblen Phasen". Damit sind Entwicklungsabschnitte gemeint, die unterschiedlich lange andauern und in denen das Kind offen ist für das Erwerben bestimmter Kompetenzen. So ist beispielsweise im Alter von 0 bis 3 Jahren die Sensibilität für das Erlernen von Bewegungen sowie für den Spracherwerb besonders hoch. Da Kinder arbeiten, um selbständig zu werden, erfolge die Arbeit nach ihrem eigenen Rhythmus. Aufgabe der Montessori-Pädagogik sei es, die Kinder in einer "vorbereiteten Umgebung" mit ansprechenden und motivierenden Materialien darin zu unterstützen, ihrem inneren Bauplan entsprechend zu lernen, und zwar ganzheitlich und mit allen Sinnen. Ein wesentlicher Punkt sei dabei die freie Wahl der Arbeit. Die Rolle der Lehrkräfte bestehe darin, die Kinder durch genaues Beobachten, Einfühlungsvermögen und Geduld zum eigenen Denken zu führen.



Wie radikal und innovativ Maria Montessoris Sichtweise der Kindererziehung und -bildung ihren Zeitgenossen erschienen sein mag, wird durch die aktuelle Brisanz des Themas umso deutlicher. Denn nicht umsonst wird gerade in den letzten Jahren aufgrund der Pisa-Studien über eine dringend notwendige Reform des deutschen Bildungswesens diskutiert.

Vielleicht kann das Montessori-Jahr 2007 da noch einiges bewirken. Das hoffen zumindest die Montessori-Organisationen, die, koordiniert vom Montessori Centenary Steering Committee, weltweite Aktionen und Veranstaltungen planen. Am 8. Januar informiert der Montessori Dachverband Deutschland e. V. in Berlin im Rahmen einer Pressekonferenz über den gegenwärtigen Stand der Montessori-Pädagogik und ihre Bedeutung für das moderne Bildungswesen in Deutschland. Im Februar können sich Interessierte auf der Messe didacta 2007 in Köln bei einer Montessori-Sonderschau eingehend über die Montessori-Pädagogik informieren, und am 22. September ist in Berlin ein zentrales Fest für Kinder und Jugendliche geplant, u. a. mit einer bildungspolitischen Podiumsdiskussion mit Kindern, Jugendlichen und Kultusministern. Zuvor soll ein bundesweiter Sternlauf zwischen den Montessori-Einrichtungen stattfinden.

Die Montessori-Kinderhäuser und -Schulen im Montessori Landesverband Bayern beteiligen sich im Januar und Februar mit einem Tag der offenen Tür oder anderen öffentlichen Veranstaltungen an den Feierlichkeiten. Die Montessori-Bewegung in Bayern ist mit über 60 Kinderhäusern und über 70 Schulen die größte Montessori-Gemeinde in Deutschland. Diese Einrichtungen arbeiten landesweit nach einem gemeinsamen Kinderhaus- bzw. Schulkonzept. An vielen Schulen kann nach dem erfolgreichen Hauptschulabschluss nach einem weiteren Jahr der mittlere Bildungsabschluss erworben werden. Dieser ermöglicht den Weg auf weiterbildende Einrichtungen zur Erlangung von Fachhochschulreife oder der allgemeinen Hochschulreife. In diesem Schuljahr haben zwei Montessori-Fachoberschulen ihren Betrieb aufgenommen, im nächsten Schuljahr werden vier weitere eröffnet. Der Montessori Landesverband Bayern unterstützt seine Einrichtungen mit seiner Montessori Bildungsakademie (MoBil) in deren Qualitätsentwicklung und -sicherung.

Quelle: Montessori Landesverband Bayern | Pressemitteilung Januar 2007